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Allergisch auf Düfte
Dr. Silvia Pleschka
Düfte bereichern unser Leben. Sie können Erinnerungen und Gefühle wecken; sie können stimulieren oder entspannen. Doch Duftstoffe haben nicht nur angenehme Seiten: Besonders Allergikern kann ihr zunehmender Einsatz erhebliche Probleme bereiten.

Aus unserem Alltag sind Duftstoffe kaum noch wegzudenken: Sie werden in Kosmetika, Waschmitteln, Reinigungsprodukten und Medikamenten eingesetzt. Immer mehr Geschäfte, Hotels und Kinos versuchen, durch die Beduftung der Räume zum Verweilen zu animieren. Es sind etwa 3000 verschiedene Duftstoffe bekannt. Sie stammen entweder aus natürlichen Quellen wie Pflanzenteilen oder Tiersekreten oder es handelt sich um synthetische Verbindungen aus dem Chemielabor. Teilweise kombinieren Duftentwickler bis zu 100 Einzelsubstanzen zu einem einzigen Geruchseindruck. Da der Duft oft auch ein Marketingelement von Produkten ist, wird seine Komposition streng geheim gehalten. Trotz der Deklarationspflicht für Kosmetika finden Verbraucher auf vielen Verpackungen lediglich die Sammelbezeichnung Parfum, Fragrance, Aroma oder Flavour und keine Aufzählung der Einzelbestandteile.
Jeder Zehnte betroffen
Für Menschen mit einer Allergie gegen Duftstoffe stellt die weite Verbreitung vermeintlicher Wohlgerüche ein erhebliches Problem dar. Etwa 11,5 Prozent aller Deutschen reagieren auf einen Duftstoff allergisch. In der Regel handelt es sich dabei um eine Kontaktallergie des Typ IV, bei der es nach 24 bis 72 Stunden zu Beschwerden kommt. Die typischen Symptome sind juckende Hautrötungen, nässende Bläschen, Quaddeln, Schuppung, Juckreiz bis hin zu chronischen Entzündungen an den Stellen, die direkten Kontakt mit dem allergenen Stoff hatten. Wer glaubt, auf Kosmetika oder Bestandteile in Reinigungsmitteln allergisch zu reagieren, sollte sich an einen Hautarzt wenden. Dieser wird zunächst in einem Gespräch nach möglichen Auslösern für die Kontaktallergie fahnden. Stehen Duftstoffe im Verdacht, so versucht der Arzt in der Regel, den Auslöser durch einen Epikutantest zu identifizieren. Dabei werden die verdächtigen Allergene testweise auf die Haut aufgebracht und mögliche Reaktionen beobachtet. Da eine Kontaktallergie nicht heilbar ist, müssen Betroffene das Allergen konsequent meiden. Denn bei jedem erneuten Kontakt können sich die Beschwerden wieder einstellen. Ein bestimmter Duftstoff lässt sich allerdings nur meiden, wenn man erkennen kann, worin er enthalten ist. Seit 2005 müssen 26 Duftstoffe mit besonders hohem Allergiepotenzial mit ihrem INCI-Namen (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe) auf der Produktverpackung genannt werden (siehe Kasten).

Die Kosmetikrichtlinie schreibt für Produkte, die wieder abgewaschen werden, wie Duschgele und Shampoos, eine Deklaration vor, wenn die Konzentration der bedenklichen Duftstoffe mehr als 0,01 Prozent beträgt. Bei Lotionen, Make-ups, Sonnencremes und Deos, die auf der Haut verbleiben, muss der Duftstoff bereits ab einer Konzentration von mehr als 0,001 Prozent angegeben werden. Doch diese Deklarationspflicht bringt einem Duftstoffallergiker keine absolute Sicherheit. Denn es ist ja immer noch möglich, dass die bedenklichen Bestandteile in Konzentrationen unterhalb der Deklarationspflicht im Produkt eingesetzt werden. Zwar gehen Wissenschaftler davon aus, dass bei solch geringen Mengen keine Kontaktekzeme zu erwarten sind. Doch eine sehr sensible Haut kann durchaus Symptome zeigen. Gemäß der Detergenzienverordnung müssen allergene Duftstoffe auch in Waschmitteln, Weichspülern und Reinigungsprodukten gekennzeichnet werden, wenn sie in einer Konzentration von über 0,01 Prozent im Produkt vorkommen. Für Gebrauchsgegenstände wie Duftkerzen, Räucherstäbchen, beduftetes Spielzeug oder Papier und für Raumerfrischer gibt es jedoch bislang keine Regelung.
Belastete Luft ebenfalls problematisch
Mittlerweile ist bekannt, dass auch Duftstoffe in der Luft Allergikern Probleme bereiten können. Duftstoffallergien werden zwar in der Regel durch den direkten Kontakt des Allergens mit der Haut ausgelöst. Neuere Studien haben jedoch ergeben, dass es auch durch allergieauslösende Stoffe in der Luft zu Reaktionen kommen kann. Die Allergene werden entweder mit der Luft eingeatmet oder die allergenhaltige Luft wirkt direkt auf die Haut. Eine Studie des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken aus dem Jahr 2006 kommt zum dem Schluss, dass beide Übertragungswege bei bereits sensibilisierten Menschen zu allergischen Reaktionen führen können. Diese traten allerdings nur auf, wenn die Luft hohe Mengen von Duftstoffallergenen enthielt. Bei geringeren Konzentrationen blieben Hautreaktionen aus. Unklar bleibt jedoch, wie sich niedrig dosierte Duftstoffe in der Luft auswirken, wenn sie über lange Zeiträume eingeatmet werden oder auf die Haut wirken. Zudem können Duftstoffe in der Luft auch bei empfindlichen Personen wie Asthmatikern Beschwerden wie Kopfweh oder gar Asthmaanfälle auslösen.
Besserer Schutz für Allergiker
Duftstoffallergiker und Verbraucher mit sensibler Haut sollten duftstofffreie Kosmetika, Wasch- und Reinigungsmittel verwenden. Drogerien, Apotheken und Naturkostläden bieten meist ein entsprechendes Sortiment an. Wer auf beduftete Produkte verzichten möchte, kann beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) eine aktuelle Liste anfordern. Schwieriger ist es, sich vor Duftstoffen in der Raumluft zu schützen. Denn die Aromen entweichen aus Putz- und Reinigungsmitteln, aus Alltagsprodukten wie Zeitschriften, Kosmetikverpackungen und Spielzeug. Selbst stark parfümierte Mitmenschen und Raumbedufter tragen zu Belastung der Luft bei. Ein Meiden ist hier kaum möglich, zumal eine Kennzeichnung der Duftstoffe für die Raumbeduftung derzeit nicht üblich ist. Der DAAB fordert vorsorglich, in öffentlichen Räumen keine hochpotenten, allergenen Duftstoffe wie Isoeugenol oder Zimtaldehyd für die Raumbeduftung einzusetzen und für bestimmte Duftstoffe in der Innenraumluft Grenzwerte einzuführen.
In privaten Räumen sollten Düfte möglichst vermieden werden. Für eine bessere Qualität der Luft sorgen regelmäßiges Lüften und emissionsarme Einrichtungsgegenstände. Weniger Duft in der Luft könnte Allergikern das Leben deutlich leichter machen.
Quelle: Barth, A.: UGB-Forum 4/2009, S. 204-205
Foto: R. Rvachov/Fotolia.com
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