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Nährwertkennzeichnung: Mogelpackung
Dipl. oec. troph. Nicole Rehrmann
Verbraucher haben es nicht leicht, gesunde Lebensmittel auf den ersten Blick zu erkennen. Einfache Nährwertinformationen sollen ihnen beim Einkauf helfen. Doch an der freiwilligen Kennzeichnung der Hersteller üben Verbraucherverbände heftige Kritik. Sie fordern ein klares Zeichen, wie die in Großbritannien bewährte Ampel.
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Ein Becher Fruchtjoghurt liefert 39 Prozent der täglichen Zuckerration und ein Stück Schokolade enthält fünf Prozent der Tagesportion Fett. So ist es zumindest seit Sommer 2007 auf vielen Produkten zu lesen. Diese Angaben hat der Verband der europäischen Lebensmittelindustrie
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(CIAA) auf den Weg gebracht. Der Clou der freiwilligen Kennzeichnung ist, dass sich die Angaben auf die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr beziehen. Angegeben ist nicht nur die Nährstoffmenge pro Portion. Zusätzlich zeigt ein farblich abgesetztes Feld auf einen Blick, welchen Anteil der Nährstoff an der entsprechenden Tageszufuhr besitzt. Was zunächst ganz vernünftig klingt, hat aber mehrere Haken.
Aufklärung oder Augenwischerei?
Basis für diese Angaben sind die so genannten Guideline Daily Amounts (GDA) des Industrieverbandes CIAA. Diese Werte sind zwar aus wissenschaftlich anerkannten Empfehlungen abgeleitet, beziehen sich allerdings auf den Tagesbedarf einer normalgewichtigen Frau mit einem Energieverbrauch von 2000 Kilokalorien am Tag (siehe Tabelle). Tatsächlich weichen die Werte für Männer, Kinder und Senioren erheblich davon ab. Außerdem unterscheidet sich der Bedarf von Bewegungsmuffeln und Sportskanonen drastisch. Dass die Angaben eigentlich nur für normalgewichtige Frauen gelten, ist in der Regel nicht erkennbar. Die meist auf der Vorderseite angebrachten Nährwertinformationen für Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz sollen als Obergrenze verstanden werden, für Kohlenhydrate und Ballaststoffe hingegen als Untergrenze. Somit bleibt für den Käufer unklar, ob eigentlich ein geringerer oder höherer Wert erstrebenswert ist.
Die Bezugsgrößen stoßen bei Experten auf Unverständnis - insbesondere der Wert für Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt nicht mehr als 10 Prozent der Energiezufuhr als zugesetzten Zucker. Bei einem Bedarf von 2000 kcal am Tag entspricht das 50 Gramm. Der CIAA addiert natürliche Zucker aus Obst, Gemüse und Milchprodukten einfach hinzu, und führt 90 Gramm als zulässige Tageszufuhr an.
"Mit den scheinbar vereinfachten Nährwertangaben auf ihren Produkten betreiben Hersteller zurzeit eine faustdicke Augenwischerei", lautet das Fazit von Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Die Verbraucherzentrale nahm die Nährwertangaben von Frühstückscerealien, die sich speziell an Kinder richten, genauer unter die Lupe. Fast alle Produkte enthielten rund zehn Gramm Zucker pro Portion. Für Erwachsene ergibt das zwar nur elf Prozent der Tageszufuhr. Doch kleine Kinder decken mit der Zuckermenge bereits ein Drittel der Tagesdosis ab. Zudem werfen Verbraucherschützer den Herstellern vor, die Portionsgrößen unrealistisch zu wählen und so die Zuckerbilanz schön zu rechnen. Denn wer isst wirklich nur einen Minischokokuss aus einer Packung mit 32 Stück? Weil die Hersteller derzeit die Portionsgrößen frei wählen dürfen, fehlt die direkte Vergleichbarkeit. Enthalten beispielsweise zwei Produkte bezogen auf 100 Gramm gleich viel Zucker, fällt die prozentuale Tagesangabe für kleinere Portionen natürlich günstiger aus.
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