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Dr. Karl von Koerber vom Beratungsbüro für Ernährungsökologie in München präsentierte die unter dem Fokus der Nachhaltigkeit neu gefassten Grundsätze der Vollwert-Ernährung. Das Ziel der Chancengleichheit für alle Menschen müsse sowohl in Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt als auch Gesundheit Einzug finden, so Koerber. Für den Lebensmitteleinkauf bedeutet dies unter anderem, pflanzliche und gering verarbeitete Lebensmittel zu bevorzugen, ebenso wie ökologisch erzeugte und fair gehandelte Produkte. Somit kommt eine vollwertige, genussvolle Ernährung dem Nachhaltigkeitskonzept nach, global zu denken und lokal zu handeln. Mit der Vollwert-Ernährung sind wir im Durchschnitt am besten versorgt? Zu diesem Ergebnis kommt Professor Dr. Ingrid Hoffmann vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Gießen beim Vergleich der Vollwert-Ernährung mit der normalen Mischkost, der veganen und der Rohkost-Ernährung. Alle vier Ernährungsweisen haben ihre Nutzen und Risiken, doch Untersuchungen zur Nährstoffzufuhr und der Blutparameter zeigen, dass bei einer vollwertigen Ernährung die meisten präventiven Empfehlungen umgesetzt werden.
In den letzten Jahren standen Vollkornprodukte, Salz, Fett und Kohlenhydrate immer wieder im Brennpunkt. Bei den Meldungen zu Phytinsäure, Lektinen oder Enzyminhibitoren in Vollkornprodukten konnte die Vollwert-Expertin Wiebke Franz vom UGB Entwarnung geben. Denn nach derzeitigem Kenntnisstand ist das Positive des Vollkornverzehrs für Gesunde weit höher zu bewerten als mögliche Risiken. Mit der Bedeutung der Fettzufuhr bei der Prävention von koronaren Herzkrankheiten oder Adipositas befasste sich Dr. Ute Brehme aus Tübingen. Entsprechend der aktuellen Empfehlungen soll der Fettanteil der Nahrung etwa 30 Prozent ausmachen, mit einem hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Optimal ist ein Verhältnis der n-6- zu den n-3-Fettsäuren von 5:1, günstig sei deshalb zum Beispiel der Verzehr von Lein- oder Rapsöl. Dr. Anette Buyken vom Forschungsinstitut für Kinderernährung aus Dortmund nahm den Glykämischen Index (GI) unter die Lupe, der Lebensmittel nach ihrer Wirksamkeit auf den Blutzuckerspiegel einteilt. Auch wenn noch ein hoher Forschungsbedarf besteht, sind die traditionelle Mittelmeerdiät und die Vollwert-Ernährung als Kost mit niedrigem GI zu empfehlen.
In seinem mit Spannung erwarteten Beitrag zum Thema Ernährungspyramiden begab sich Prof. Dr. Claus Leitzmann aus Gießen auf Pyramidentour. Nachdem er die Stärken und Schwächen der vielen kursierende Modelle analysiert hatte, stellte er einen eigenen Entwurf vor, der die Empfehlungen der Vollwert-Ernährung berücksichtigt. Die Basis machen hier Gemüse und Salat aus, gefolgt von Obst und Milchprodukten. Etwa die Hälfte der Nahrung sollte als unerhitzte Frischkost aufgenommen werden. Als ergänzende Empfehlung plädierte er dafür, die Faktoren Freude und Genuss einzuführen. Auf großes Interesse stieß auch der Vortrag von Dr. Angelika Bierhaus von der Uniklinik Heidelberg. Sie machte auf die gesundheitliche Gefährdung durch so genannte glykierte Proteine wie Acrylamid aufmerksam. Diese Verbindungen entstehen beim Erhitzen von Lebensmitteln aus Kohlenhydraten und Proteinen, können aber auch im menschlichen Körper gebildet werden. Diese Toxine tragen vermutlich zu chronischen Entzündungen und Erkrankungen wie Diabetes oder Arteriosklerose bei. In weiteren Vorträge ging es darum, wie neurobiologische und gesellschaftliche Faktoren unser Essverhalten beeinflussen oder um die Verbreitung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in Deutschland.
Zum Auftakt der UGB-Tagung fand am 6. Mai der Fachtag "Gesundheit fördern im Betrieb" statt. Gesundheitstrainer, Psychologen sowie Experten von Krankenkassen und aus der Wirtschaft brachten den mehr als 160 Zuhörern das betriebliche Gesundheitsmanagement in Theorie und Praxis nahe. Immer mehr Unternehmen sehen ein, dass es nicht nur um Profit geht, sondern auch um die Gesundheit und Motivation der Mitarbeiter. Kommunikationstrainings, Stressbewältigung, Rückenschulen oder ergonomische Arbeitsplatzgestaltung steigern das Wohlbefinden und senken den Krankheitsstand. Wie ein Gesundheitsberater hier unterstützen kann, stellte Gesundheitsmanager Rainer Fiebig aus Bexbach dar. Wenn mit einer Analyse der Ausgangslage die Schwachstellen aufgespürt sind, können die entsprechenden Strukturen für Lösungen geschaffen werden. Dabei muss das Konzept sowohl wissenschaftlich fundiert als auch alltagstauglich sein. An konkreten Beispielen veranschaulichte Fiebig, wie sich Probleme in Gesundheitszirkeln lösen lassen, wobei er betonte, dass man nur als "Überzeugungstäter" die Akzeptanz der Führungsebene und der Mitarbeiter gewinnen kann.
Weitere Referenten zeigten anhand von Beispielen die diversen Möglichkeiten des Gesundheitsmanagements. Neben dem ganzheitlichen Konzept der Pinneberger Verkehrsgesellschaft oder der IKK-Impulswerkstatt wurde von Dietmar Hagen das erfolgreiche Projekt der Mehrwert-Ernährung in der Kantine der Firma Bahlsen vorgestellt. Basierend auf den Prinzipien Gesundheit, Genuss und Zufriedenheit der Sinne, Transparenz und Information kann Gemeinschaftsverpflegung zu einem täglichen Geschmackserlebnis mit nachhaltigem Wohlbefinden und gestärkter Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter werden. Frei nach dem Zitat von Oscar Wilde: "Die Kultur hängt von der Kochkunst ab."
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