Biologisch, ganzheitlich, alternativ, komplementär - wie man es auch nennen mag - immer mehr Krebskranke setzen auf ergänzende Therapien zur Schulmedizin. Mit Misteltherapie, Überwärmung oder hochdosierten Radikalfängern lassen sich konventionelle Behandlungsmethoden wirkungsvoll ergänzen.
Die Diagnose Krebs ist für jeden ein Schock. Die meisten Betroffenen informieren sich ausführlich über ihre Erkrankung, um alle Chancen zu nutzen und so viel wie möglich für ihre Genesung zu tun. Viele wenden sich dabei komplementären Therapien zu. Ziel dieser ergänzenden Behandlungen ist es, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Dazu muss das Immunsystem gegen die bösartigen Zellen mobilisiert werden. Ganz wichtig ist außerdem, die Patienten zu motivieren, selbst an der Genesung mitzuwirken. Mittel und Methoden der komplementären Medizin sollen und können die klinischen Bemühungen nicht ersetzen. Sie können sie aber unterstützen und in ihrer Wirksamkeit verstärken.
Die meisten Krebspatienten stellen sich nach der Diagnose die Frage: Was muss ich in meinem Leben ändern, was tun, damit der Krebs weggeht und nicht wiederkommt? Fragt man "erfolgreiche" Patienten, die ihre Erkrankung trotz schlechter Prognosen bekämpfen konnten, so haben die meisten zunächst die Ernährung umgestellt. Erkenntnisse aus epidemiologischen Studien belegen, dass reichlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte, wenig Fleisch und Fett das Immunsystem wirkungsvoll stärken. Außerdem liefern naturbelassene Lebensmittel zahlreiche bioaktive Substanzen, insbesondere die sekundären Pflanzenstoffe, die an verschiedenen Stellen die Krebsentwicklung stören können .
Um einer Krebserkrankung vorzubeugen, raten biologisch orientierte Krebsärzte daher zur zusätzlichen Aufnahme von Radikalfängern. Die angeratenen Dosierungen gehen deutlich über die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung hinaus. Bei Selen halten sie eine tägliche Zufuhr von 100 bis 150 ?g für notwendig, die übliche Empfehlung liegt bei 30-70 ?g. Für Vitamin C werden mindestens 150 mg (sonst 100) und für Vitamin E 30-60 mg (sonst 12-15) angeraten. Die Häufigkeit von Erkrankungen der Lunge, der Brust, des Magens, des Darms und der Prostata konnte in verschiedenen Studien durch diese Maßnahme um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Die Carotine sind etwas ins Zwielicht geraten, seit einige Studien zu dem (umstrittenen) Ergebnis kamen, dass Beta-Carotin bei Rauchern möglicherweise einen noch schlummernden Lungenkrebs fördern kann. Das scheint aber nur für isoliertes Beta-Carotin zu gelten.


Noch neu ist die Forschung mit so genannten Angionesehemmern. Jeder Tumor braucht spätestens, wenn er die Größe einer Linse erreicht, einen Anschluss an das Blutsystem, sonst würde er absterben. Von den Tumorzellen gehen im Frühstadium Signale aus, die in den nahen Blutgefäßen einen Impuls zur Ausbildung einer Verbindungsader auslösen. Einige der sekundären Pflanzenstoffe scheinen in der Lage zu sein, diese Signalkette zwischen Tumorzelle und Ader zu stören oder zu blockieren. Klinisch geprüft wird unter anderem das Genestein aus der Sojabohne. Eine andere möglicherweise schützende Substanz ist das Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG) aus grünem Tee. EGCH blockiert ein Enzym, das Tumorzellen brauchen, um in gesundes Gewebe vorstoßen zu können. Die Substanz gehört zur Gruppe der Catechine, die eine Untergruppe der Flavonoide sind. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen nicht nur in grünem Tee, sondern auch in der Schale der meisten Gemüse- und Obstarten vor.
Um die Nebenwirkungen dieser Medikamente oder einer Strahlentherapie abzumildern, raten Naturheilärzte, während der ganzen Behandlungszeit Mistelpräparate oder Thymusspritzen zu geben. Zuckerhaltige Eiweißsubstanzen der Mistel, so genannte Lektine, stimulieren nachweislich das Immunsystem. Außerdem fördern sie die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn, die schmerzlindernd und psychisch aufhellend wirken. Der Arzt kann Mistelpräparate auf Rezept verordnen; sie werden meist problemlos von den Krankenkassen erstattet.
Die Thymusdrüse prägt und steuert unser Immunsystem. In ihr werden bestimmte weiße Blutkörperchen, die Lymphozyten, zu Killerzellen, Gedächtnis-, Helfer-, Supressor- und anderen Abwehrzellen ausgebildet. Bei alternden Menschen stellt die Drüse ihre Funktion weitgehend ein, und das Immunsystem wird schwächer. Substanzen, die aus funktionsfähigen Thymusdrüsen von jungen Kälbern isoliert werden, sollen dem geschwächten Abwehrsystem neue Impulse geben. Mehr als 30 von der Drüse produzierte Verbindungen, meist Hormone und Peptide, sind bisher bekannt. In zahlreichen Studien ließ sich durch Thymusspritzen die Zahl der aktiven Abwehrzellen nachweislich steigern, die rückfallfreien Zeiten verlängern und die Lebensqualität insgesamt verbessern. Extrakte oder Lysate aus Milz, Leber oder Bindegewebe sollen außerdem der Übelkeit und dem Erbrechen entgegen wirken. Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten für Thymuspräparate. Patienten klären die Bezahlung daher besser vorher ab.
Um die Bildung von Metastasen zu verhindern oder zu bekämpfen, wird die Tumorimpfung eingesetzt. Metastasen sind kleinere Zellen oder Zellverbände, die sich vom Primärtumor ablösen und über das Blut und die Lymphgefäße im Körper verteilen. Sie können sich an einer beliebigen Stelle ansiedeln und ebenso zu einem Tumor heranwachsen. Mit der so genannten Aktiv-Spezifischen-Immuntherapie (ASI) werden dendritische Zellen, die Bestandteil des Immunsystems sind, mit Krebszellen des Patienten beladen und diesem zurückgespritzt. Die so präparierten Zellen präsentieren den Abwehrzellen die Antigene der Krebszellen: So sieht der Feind aus. Dadurch kann das Immunsystem die schädlichen Krebszellen besser erkennen und angreifen. In ersten Studien zeigte sich, dass sich unter dieser Therapie die Tumoren völlig zurückbildeten, selbst bei Patienten, bei denen andere Behandlungen wirkungslos blieben.
Immer mehr setzt sich bei Ärzten und Patienten der Gedanke durch, dass Fortschritte in der Krebsbehandlung nur zu erreichen sind, wenn konventionelle und biologische Therapien zu einer integrativen Krebsbehandlung kombiniert werden. Wichtiger als bisher muss aber auch der Patient genommen werden. Er sollte vom passiv Betroffenen zu einem aktiv Beteiligten an der Behandlung gemacht werden.
Die Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr berät Patienten und Angehörige ausführlich und unabhängig über die Möglichkeiten biologischer Therapien. Ein ärztlicher Beratungsdienst beantwortet kostenlos alle Fragen, nennt Ärzte, Therapeuten, Kliniken und Selbsthilfegruppen in der gewünschten Umgebung und verschickt ein Verzeichnis von Tageskliniken und Krankenhäusern mit ganzheitlich-medizinischer Krebsbehandlung. Die Gesellschaft unterstützt zudem alle Bemühungen, die Kostenübernahme von biologischen Heilmitteln durch die Krankenkassen zu erreichen und fördert Studien, die die Anwendung und Verbreitung unterstützender Heilmaßnahmen bei Krebserkrankungen untersuchen. Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr, Postfach 10 25 49, D-69015 Heidelberg, Tel.: 06221-138020, Fax: 1380220
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